Archiv des Monats: April 2026

Dekolleté

Micro Tintenroller und Buntstiftstummel auf 20,7 x 25,6 cm (ca. 70 g/qm No Name Skizzenbuch A5)

Beim Hausarzt muss ich ein Rezept abholen. Ich stelle mich ans Ende der Warteschlange, die sich aus dem Eingangsbereich der Praxis zurückstaut. Auf dem Weg von der Apotheke zum Supermarkt steige ich dann die Treppe an der Bahnstraße hoch. Von hier aus öffnet sich in der Sichtachse zum Kaiserplatz einmal mehr der Blick auf einen Ausschnitt des Schwebebahngerüsts. So kurz vor der Endstation und bei so schönem Licht kann ich der 125-jährigen Jubilarin nicht widerstehen.

Veröffentlicht unter freihand vor Ort, Helldunkel, in Bewegung, Schwebebahn, Urban Sketching | Schreibe einen Kommentar

vierzweidreiineinem

Pigmentliner auf 4,3 x 17,4 cm (120 g/qm Mini-Skizzenbuch)

Vier Freunde müssen sich heute Nachmittag zwei Seiten meines winzigen Skizzenbuchs zusammen mit drei großformatigen Zeichnungen in einem Künstleratelier teilen.

Graphic Pen mit 5,6 mm 6B Graphitmine und Pigmentliner auf 297 x 210 mm (80 g/qm Kopierpapier)
Veröffentlicht unter freihand vor Ort, Helldunkel, in Bewegung, Leute | Schreibe einen Kommentar

emotion in motion

Calligraphy Pen und bunte Fasermaler mit Pinselspitze auf 20,7 x 25,6 cm (ca. 70 g/qm No Name Skizzenbuch A5)

Mit meinem Skizzenbuch und einem anderen Zeichenenthusiasten bin ich wieder mal im Wuppertaler Skulpturenpark Waldfrieden. Seit Mitte März werden dort im Rahmen einer Retrospektive kinetische Installationen von Rebecca Horn gezeigt. So schwebt zum Beispiel der Konzertflügel aus ihrem Spielfilm »Buster’s Bedroom« mit Beinen, Pedalerie und Resonanzboden nach oben wie ein surrealistisches Flugobjekt unter der Raumdecke. Von Zeit zu Zeit öffnen sich Tastenklappe und Flügeldeckel, um die Klaviaturmechanik mitsamt aller 88 Tasten geräuschvoll nach vorne auszustoßen, wo eigentlich der Pianist sitzen müsste. Diese Tastenkaskade hängt dann eine Weile aus dem Gehäuse nach unten, bis schließlich die Klaviatur automatisch ins Innere des Flügels zurückgezogen wird, wobei von dort erneut dissonante Saitenanschläge zu hören sind. Tastenklappe und Deckel schließen wieder selbsttätig, das »Concert for Anarchy« (1990) ist beendet.
Oder raumgreifend miteinander verschränkt, bilden ausgediente hölzerne Obstleitern den »Turm der Namenlosen« (1994). Hin und wieder geben einzelne oder manchmal zugleich auch mehrere der sieben an den Leitern befestigten Geigen traurige Missklänge von sich. Anstatt wirklicher Musiker bewegen motorisierte Mechaniken die Streicherbögen automatisch. Diese Maschinengeiger brechen ihr geisterhaftes Spiel nach wenigen Tönen immer wieder abrupt ab, so als ob sie in der Stille des verglasten Ausstellungsraums mit freiem Blick nach draußen in den Skulpturenpark auf eine Resonanz warteten.

Graphic Pen mit 5,6 mm 6B Graphitmine auf 20,7 x 25,6 cm (ca. 70 g/qm No Name Skizzenbuch A5)
Veröffentlicht unter freihand vor Ort, Helldunkel, Museum | Schreibe einen Kommentar