gegenständlich und abstrakt

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Pentel Brush Pen und Pentel Aquash Waterbrush mit Horadam Aquarellfarben auf 27,6 x 21,6 cm (Canson Artbook 180º, A5, 96 g/qm).

Heute morgen im Skulpturenpark vor dem Lehmbruck Museum, anderthalb Stunden, ehe die Schüler meines LK zu unserer Giacometti-Exkursion eintrudelten. Ein bisschen über Henry Moores sehr interessantes Verständnis von Abstraktion und Gegenständlichkeit nachgedacht. Er sah seine zweiteiligen zurückgelehnten Figurenkompositionen als eine Art Landschaft: Sobald die konvex gewölbten Körperpartien des Ober- und Unterkörpers voneinander getrennt seien, erwarte man keine realistische Figur mehr. Also könne man sie mit gutem Recht eine Landschaft nennen. Auch die schartige und felsenartige Rauheit der Oberflächen weist ja in diese Richtung. Diese merkwürdige Mischung aus abstrahierter und gegenständlicher Bildsprache ist in sich stimmig und konsequent. Denn obwohl Moore sich wohl am meisten für die menschliche Figur interessierte, schöpfte er sein gestalterisches Formenspektrum aus der Natur, indem er sich von Fundstücken wie ausgewaschenen Brandungssteinen, Tierknochen, Pflanzen und anderen natürlich gewachsenen Objekten inspirieren ließ. Habe zu diesem Thema ein aufschlussreiches Zitat von Moore gefunden: »In einem gewissen Sinn ist alle Kunst abstrakt. Abstraktes oder Gegenständliches in einem Werk abzulehnen, hieße missverstehen, worum es in der Skulptur und der Kunst geht. Manche Künstler sind eher optisch eingestellt, finden mehr Gefallen an der Natur, wie sie sich ihnen darbietet, und machen daraus ein Kunstwerk. Andere schaffen mehr von innen heraus, aus ihrer geistigen Konzeption; das Malen oder Zeichnen kann ein von der Beziehung zur Außenwelt unabhängiger Vorgang sein. […] Ich sehe nicht ein, weshalb gegenständliche und abstrakte Kunst nicht gleichzeitig nebeneinander, sogar gleichzeitig bei einem und demselben Künstler bestehen sollten. Es ist nicht so, dass das eine richtig und das andere falsch wäre.« 

(Zitatquelle: Donald Hall, »An Interview with Henry Moore«, in: Horizon, Bd. 3, Nr. 2, 1960, S. 104. Zitiert nach: Claude Allemand-Cosneau u.a.: Henry Moore, Ursprung und Vollendung. S. 99. Prestel Verlag, München 1996)

Übrigens war Moore ein fantastischer Zeichner. 

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Lamy Safari mit Noodlers Polar Black Tinte und Pentel Aquash Waterbrush mit Horadam Aquarellfarben auf 27,6 x 21,6 cm (Canson Artbook 180º, A5, 96 g/qm).

Über Al

Kommunikationsdesigner und Lehrer. Wuppertal (Deutschland)
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1 Antwort zu gegenständlich und abstrakt

  1. An sagt:

    Nicht nur Henry Moore war ein toller Zeichner… Du bist es auch!!!

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