Archiv der Kategorie: Urban Sketching

sketchcrawl

Tintenroller und Aquarellfarben auf DIN A5 (300 g/qm Aquarellpapier, kaltgepresst)

Nach der gestrigen extremen Hitze hat sich die Luft in der Nacht deutlich abgekühlt. So findet mein heutiger Kurs in Langenberg bei angenehmer Lufttemperatur statt. Die sieben hochmotivierten Teilnehmerinnen lassen sich selbst von ein bisschen Nieselregen nicht abschrecken. Später kommt auch die Sonne in die Altstadt und liefert uns frei Haus eine schöne Straßenbeleuchtung.

Tintenroller und Buntstift-Stummel auf 21 x 29,7 cm (200 g/qm Aquarell-Skizzenbuch A5).

Tintenroller und Buntstift-Stummel auf DIN A5 (300 g/qm Aquarellpapier, kaltgepresst)
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Abendrot

2B-Bleistift und Aquarellfarben auf 21 x 29,7 cm (200 g/qm Aquarell-Skizzenbuch A5).

An der Bushaltestelle Froweinplatz in Langenberg sonnt sich heute Abend ein Fahrrad.

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Sternenwanderer in Nebra

6B Graphitstift und Aquarellfarben auf 21 x 29,7 cm (200 g/qm Aquarell-Skizzenbuch A5).

Mein Sohn hatte mir zum Geburtstag ein Ticket für das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle geschenkt, dessen hervorragendes Ausstellungskonzept ich sehr schätze. Das komplexe Bildprogramm der hier im Original ausgestellten Himmelsscheibe von Nebra gibt der Forschung zum Teil noch immer ungelöste Rätsel auf. Der Museumsdirektor und Landesarchäologe Harald Meller hat mit seinem Team eine faszinierende, aber nicht unangefochtene Deutungshypothese aufgestellt, die jetzt in einer Sonderausstellung durch lokale und international zusammengetragene archäologische Funde dokumentiert und umfassend untermauert wird: Die vernetzten Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Entstehungsgeschichte der etwa 3800 Jahre alten Himmelsscheibe auf zwei ausgedehnte Expeditionen oder Fernreisen eines oder mehrerer junger Fürsten der frühen bronzezeitlichen Aunjetitzer Kultur bis in den vorderen Orient – vielleicht nach Babylon – oder auch bis nach Ägypten zurückgehen könnte. Das auf diesen abenteuerlichen Reisen im Tausch gegen kostbare Gastgeschenke aus baltischem Bernstein erworbene technische, astronomische und religiöse Geheimwissen sei nach der Rückkehr durch den Fürsten auf der Himmelsscheibe als eine Art Memogramm festgehalten und zum Auf- und Ausbau erster zentralistischer Machtstrukturen in dieser Region mit weitreichenden politischen Verbindungen genutzt worden, deren Fortbestand hier allerdings nur über einige wenige Herrschergenerationen hinweg erhalten werden konnte.
Nachdem wir uns gestern diese Ausstellung Neue Horizonte angesehen haben, sind wir heute am Fundort der Himmelsscheibe auf dem Mittelberg bei Nebra unterwegs. Es wird eine ausgedehnte Wanderung bei wunderbar sonnigem Herbstwetter. Als mir schließlich das schöne Zeichenlicht ausgeht, brauchen wir zur Erklärung dieses allabendlichen Phänomens nicht unbedingt einen ägyptischen Sonnenbarkenmythos und auch nicht die Assoziation eines biblischen Flutrettungsgefährts. Vielmehr scheint die Sonne wie schon immer hinter den grünen Hügeln im Westen abzutauchen, ganz einfach weil sich unser Heimatplanet in 23 Stunden, 56 Minuten und 4,1 Sekunden gegen den Uhrzeigersinn in Richtung Osten einmal um die eigene Rotationsachse dreht und dabei in einem Jahr um den zentralen Stern unseres Sonnensystems herumwandert. Jedenfalls müssen wir beiden Allgemeinwissenden uns jetzt erst mal warm anziehen.

Wassertankpinsel mit grauer Zeichentinte, schwarzer Brush Pen, Aquarellfarben und Buntstiftstummel auf 21 x 29,7 cm (200 g/qm Aquarell-Skizzenbuch A5).
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sprachlos in Halle

Micro-Tintenroller und Buntstiftstummel auf 21 x 14,8 cm (96 g/qm Skizzenheft A6).

Zusammen mit meinem ältesten Sohn befinde ich mich auf dem Marktplatz in Halle. Zum Gedenken an die Opfer des antisemitischen Terroranschlags heute vor zwei Jahren läuten jetzt um 12:04 Uhr die Glocken der Marktkirche zu einer Schweigeminute. Am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur hatte ein 28 Jahre alter deutscher Attentäter zunächst vergeblich versucht, schwer bewaffnet in die Synagoge einzudringen. Danach erschoss er zwei Menschen und verletzte bei seiner anschließenden Flucht weitere Menschen schwer. Es drängt sich allerdings der Eindruck auf, dass Trauer darüber hier nur wenige Menschen bewegt. Viele Passanten laufen unbekümmert quatschend weiter.

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Warm-up

6B Graphitstift auf 21 x 27,7 cm (100 g/qm Skizzenpapier)

Um zehn bin ich in Bonn mit einem Freund zum Zeichnen verabredet. Zuerst die toten Tiere im Museum Koenig. Ich beginne in der Arktis und wandere weiter in die afrikanische Savanne. Inzwischen ist es ein richtig warmer Herbsttag geworden. Am Nachmittag gehen wir den Rheinuferweg weiter und landen schließlich am Blinden-Brunnen gleich hinter dem Japanischen Garten. Die Plastik zeigt die alte Geschichte von den Leuten, die einen Elefanten aus ihrer jeweils unterschiedlichen Perspektive wahrnehmen, ohne ihn sehen zu können. Es wird kühl. Ich schaffe es gerade noch vor Ladenschluss, ein paar Sachen fürs Abendessen zu kaufen. Auf der Rückfahrt nach Wuppertal prasselt der Regen aufs Auto.

Wassertankpinsel mit grauer Zeichentinte, schwarzer Brush Pen und Buntstiftstummel auf 21 x 27,7 cm (100 g/qm Skizzenpapier)

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3 x ten minutes older

Wassertankpinsel mit grauer Zeichentinte, schwarzer Brush Pen und Aquarellfarben auf 29,7 x 21 cm (300 g/qm Aquarellpapier, kaltgepresst)

Wir sitzen auf der Mühlenstraße hinter dem Langenberger Bürgerhaus und zeichnen ein paar Gebäude jenseits des Hardenberger Bachs. Drei Burschen schlurfen vorbei. Einer fragt, ob ich ihn porträtieren könne. Ich habe keine Zeit mehr, einen nach dem anderen zu zeichnen, also wenn überhaupt, dann gleich alle drei zusammen. Sie setzen sich brav auf die Treppe und halten tatsächlich 20 Minuten still. Ich frage nach, wie diese Straße heißt. »Die Meile.« Aha. Als ich fertig bin, kopieren sie sich meine Zeichnung ins Smartphone und ziehen zufrieden ab. 10 Minuten später kommen noch zwei von der Sorte. Sie haben erfahren, »dass man sich hier zeichnen lassen kann«. Hätten ihre Kumpels auf Insta gepostet. Oha! Velbert-Langenberg fühlt sich heute ein bisschen an wie Place du Tertre.

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Waage

6B Graphitstift und Aquarellfarben auf 29,7 x 21 cm (300 g/qm Aquarellpapier, kaltgepresst)

Nachdem mein Urban Sketching-Kurs im Frühjahr wegen COVID-19 abgesagt worden ist, treffe ich mich heute früh mit den drei Teilnehmerinnen bei bestem Spätsommerwetter in Velbert-Langenberg zum Zeichnen. Am Nachmittag kommen wir in die Hellerstraße. Das Eis-Café »Waage« hat ofenwarmen Apfelkuchen. Wir sitzen auf der Fußgängerbrücke über dem vor einigen Wochen noch reißenden Deilbach, der nun still vor sich hin dümpelt.

Micro-Tintenroller und Buntstiftstummel auf 21 x 14,8 cm (96 g/qm Skizzenheft A6).
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der Lack ist ab

Micro-Tintenroller auf 21 x 14,8 cm (96 g/qm Skizzenheft A6).

Draußen vor dem Praxiseingang meines Hausarztes vertreibe ich mir die Wartezeit mit der Aussicht auf zwei Hinterhäuser an der Lienhardstraße. Vom Holz des Gründerzeit-Balkons blättert das Weiß. Der hat wohl auch schon mal bessere Tage gesehen.

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Besser eine Taube auf dem Dach …

Micro-Tintenroller auf 21 x 14,8 cm (96 g/qm Skizzenheft A6).

Vor acht Wochen hat in Langenberg der an sich harmlose örtliche Bach Ladenlokale und Keller in der Mühlenstraße überflutet. Jetzt wärme ich mir hier in der Abendsonne die alten Knochen. Stille und Skizzenheft entschädigen ein bisschen für die unaufhaltsame digitale Demenz in der Schule. Auf dem Dach gegenüber macht sich eine Taube startklar.

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Kehrseite

Micro-Tintenroller und Buntstiftstummel auf 21 x 14,8 cm (96 g/qm Skizzenheft A6).

Ich bin auf der Rückseite des Kölner Hauptbahnhofs mit einem meiner Söhne verabredet, dessen Bus aus den Niederlanden sich verspätet. Bei Currywurst by Tante Emma auf dem Breslauer Platz essen nur wenige Passanten an einem der Stehtische. Die meisten gehen mit ihrer Abendmahlzeit auf der Hand hastig weiter. Vor der Imbissbude parkt ein Ape-Dreirad. Auf dem Fahrersitz türmen sich Stapel neuer Pappteller. Keine 30 Schritte nebenan unter dem Bahnsteig-Viadukt schlafen drei Obdachlose mit dem Rücken zur Mauer auf ihren dünnen Isomatten oder direkt auf dem Gehweg. Wenige Habseligkeiten liegen in einem ramponierten Einkaufswagen.

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