Steine schichten

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Schneider Liquid Longliner auf 29,7 x 21 cm (80 g/qm Kopierpapier)

Henry Moore, 1964 in einem Interview des amerikanischen Filmemachers Warren Forma: »… Es besteht ein Unterschied zwischen Dimension und Größe. Eine kleine Skulptur mit einer Größe von nur drei oder vier Inches kann gleichwohl eine monumentale Dimension haben. Fotografiert man ein kleines Objekt von nicht mehr als ein paar Inches vor einer weißen Wand, die keinen weiteren Bezugspunkt bietet, oder vor der unendlichen Weite des Himmels, dann kann es, wenn es eine monumentale Dimension besitzt, beliebig groß erscheinen. Ich persönlich glaube, dass alle wirklich großen Skulpturen diese Eigenschaft in sich tragen. Es ist eine Eigenschaft, über die für mich alle großen Maler – Rubens, Masaccio, Michelangelo – verfügen, all die großen Künstler, Maler und Bildhauer haben dieses Gespür für Monumentalität. Vielleicht ist es darin begründet, dass sie es dem Detail nicht erlauben, eine eigenständige Bedeutsamkeit zu entwickeln. Das heißt, sie halten die großen Dinge immer in einem angemessenen Verhältnis zueinander und ordnen ihnen die Details unter. […]
Ein Künstler kann ein Gespür für Monumentalität besitzen und das ist eine seltene Gabe. Was ich damit sagen möchte, ist, dass es nicht von der tatsächlichen räumlichen Größe abhängt. Wenn das Werk diese Monumentalität an sich besitzt, kann man es fast beliebig vergrößern und es wird gut sein, es wird stimmen. […] Ob man ein Objekt größer oder kleiner macht, man verändert es, um der geistigen Vision, die man davon hatte, nahe zu kommen. Aber ich weiß nicht. Ich kann nicht erklären, was einem Objekt monumentale Größe verleiht. Ich denke, es ist eine natürliche Vision, eher etwas Mentales als etwas Physisches. Es ist eher im Geist als im Materiellen. Wenn ich zu analysieren versuche, woher diese Dimension eines Werkes kommt, scheint mir eine mögliche Quelle dafür eine Art Instinkt zu sein, der den Bildhauer nie die Bedeutung der Dinge vergessen lässt. Unabhängig davon, wie reich er die Details ausarbeitet, ordnet er sie doch immer dem gesamten Entwurf seiner Form unter. Michelangelos Pieta im Petersdom in Rom ist beispielsweise sehr detailreich gearbeitet – der Faltenwurf, die Hände, die Gesichter. Jede Einzelheit der Skulptur ist bis ins Letzte ausgefeilt und dennoch ist die Skulptur als Ganze monumental, vor allem, so denke ich, weil Michelangelo bei der Ausarbeitung der Details nie die umfassende Formgebung, an der er arbeitete, aus den Augen verlor. Wenn man also beispielsweise behauptet, Einfachheit bringe Monumentalität mit sich, so ist das nicht ganz richtig. Einfachheit allein, das bloße Weglassen von Elementen, erzeugt keine Monumentalität. Vielleicht erzeugt sie nur Leere. Wahre Einfachheit ist nicht um der Einfachheit willen geschaffen worden – sie wurde geschaffen, um das Wesentliche zu erhalten und nicht, weil man Einfachheit mag.«

Zitatquelle: Forma, Warren, Five Britisch Sculptors: Work and Talk. Grossman, New York, 1964. Zitiert nach: Hedgecoe, John, Henry Moore. Eine monumentale Vision. Evergreen/Taschen, Köln, 2005.

Habe mir vorgestellt und ausprobiert, wie Steinschichtungen von etwa drei Metern Höhe in einem Innenraum aussehen könnten. Zum Beispiel im Essener Museum Folkwang.

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Über Al

Kommunikationsdesigner und Lehrer. Wuppertal (Deutschland)
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